Sieben Tage, ein Funke, ein funktionierender Prototyp

Begleite eine Idee durch ein einwöchiges Tagebuch, vom ersten zündenden Aha-Moment bis zum kleinen, klickbaren Prototyp, der echte Reaktionen auslöst. Wir gehen jeden Tag klar strukturiert vor, lernen aus Fehlern und nutzen winzige Experimente, um mutige Entscheidungen zu treffen. Lies mit, probiere die Übungen aus und erzähle uns, welche Wendung deine eigene Idee heute nimmt. Am Ende dieser Woche hältst du etwas Greifbares in der Hand, das Gespräche eröffnet und Neugier weckt.

Tag 1: Der Funke und das Problem, das nicht loslässt

Die Momentaufnahme festhalten

Halte den Augenblick sofort fest: in einem Notizbuch, einer Sprachnotiz oder einem Foto, damit die Energie nicht verpufft. Schreibe die Ausgangsfrage in einfachen Worten, benenne die betroffene Personengruppe und skizziere eine reale Situation. Ein Satz genügt, doch er muss schmerzen, damit er trägt.

Fragen statt Antworten

Formuliere drei bis fünf offene Fragen, die deine wichtigsten Annahmen sanft herausfordern. Stelle dir vor, du interviewst die zukünftige Nutzerin: Was versucht sie jetzt bereits? Woran scheitert sie regelmäßig? Welche Umstände haben sie wirklich begeistert? Die Neugier schützt vor vorschnellen Lösungen und hält Möglichkeiten offen.

Energie konservieren

Lege eine winzige Zusage für morgen ab: maximal dreißig Minuten, klar abgegrenzt, sichtbar im Kalender. Beschreibe die Definition von „fertig“ für diesen nächsten Schritt, zum Beispiel drei Skizzen oder zwei Gespräche. Kleine, erfüllbare Versprechen bauen Vertrauen auf und verhindern, dass die Idee im Perfektionismus erstickt.

Tag 2: Recherche, Reibung, Realitätscheck

Nach der ersten Euphorie folgt Bodenhaftung. Heute sprechen wir mit echten Menschen, hören zu und beobachten, ohne zu verkaufen. Drei kurze Mini-Interviews, ein schneller Blick auf bestehende Lösungen und ein Notizsystem, das Muster sichtbar macht. Je konkreter die Reibung, desto hilfreicher wird der Prototyp. Wir suchen keine Bestätigung, sondern Überraschungen, Widersprüche und kleine Zitate, die uns leiten, wenn es später schwierig wird.

Mini-Interviews, maximale Klarheit

Vereinbare drei fünfzehnminütige Gespräche, persönlich oder remote, und nutze eine Leitfrage pro Bereich: Auslöser, aktuelles Verhalten, Hindernisse, Workarounds. Nimm nur Stichpunkte auf, wörtliche Zitate kennzeichnest du deutlich. Entscheidend ist, was Menschen tun, nicht was sie versprechen. Danach extrahierst du Muster, nicht Meinungen.

Wettbewerbslandschaft in einer Stunde

Setze einen Timer und kartiere in sechzig Minuten, was es bereits gibt: direkte Alternativen, kreative Umgehungen, benachbarte Produkte. Sammle Screenshots, Preise, typische Claims und markiere Lücken, in denen Zeit, Vertrauen oder Kontext fehlen. Die Karte verhindert blinde Flecken und inspiriert mutige Abgrenzung.

Fundstück-Logbuch

Erstelle ein einfaches Logbuch mit Datum, Quelle, kurzer Notiz und Wirkung auf deine Idee. Jede Fundstelle bekommt ein Tag, zum Beispiel Risiko, Chance oder Frage. So bleibt der Erkenntnisstrom sortiert, später zitierfähig und nutzbar, wenn du Entscheidungen transparent begründen möchtest.

Tag 3: Skizzen, Flows und ein frecher Stift

Heute denken Hände mit. Wir zeichnen grobe Bilder, verknüpfen Zustände und erzählen eine kleine Geschichte, wie jemand von A nach B kommt. Probiere Crazy Eights, Variationen und Kontraste. Nicht die Schönheit zählt, sondern Geschwindigkeit und Vielfalt. Eine alte Erfahrung: Die drittbeste Idee auf Papier schlägt die perfekteste im Kopf, weil sie Reaktionen provoziert, statt nur Erwartungen zu bedienen.

Crazy Eights richtig wild

Falte ein Blatt und zeichne acht Varianten in acht Minuten. Jedes Feld erzwingt eine neue Perspektive: anderer Einstieg, anderer Rhythmus, anderer Ausgang. Wiederhole den Durchlauf, wenn die überraschenden Ideen erst in Runde zwei entstehen. Halte dich nicht auf, bewerte später, sonst versiegt der Fluss.

Vom Nutzerziel rückwärts

Beschreibe zuerst das absolute Ziel der Nutzerin und arbeite rückwärts: Welche letzten zwei Schritte sind nötig, welche ersten zwei entfernen Hindernisse? So entstehen natürliche Flows statt funkelnder Umwege. Streiche alles, was nicht direkt zum Ziel beiträgt, auch wenn es liebgewonnene Skizzen sind.

Tag 4: Die risikoreichste Annahme herausfordern

Jetzt stellen wir die gewagteste Annahme ins Rampenlicht. Wir formulieren eine Testkarte, definieren eindeutige Erfolgskriterien und planen eine kleine Probe, die innerhalb eines Tages machbar ist. Es geht nicht um Beweise, sondern um Hinweise, die Entscheidungen erleichtern. Das Tempo bleibt hoch, damit die Energie der Woche trägt und Erkenntnisse frisch genug sind, um morgen eingebaut zu werden.

Tag 5–6: Der kleinste klickbare Prototyp entsteht

Jetzt bauen wir bewusst das Minimum, das ein echtes Gespräch auslöst. Kein perfektes Design, sondern ein handliches Artefakt, das eine Nutzerhandlung ermöglicht und den riskantesten Moment fühlbar macht. Tools wie Figma, Keynote oder Papier plus Kamera sind ausreichend. Geschwindigkeit schlägt Eleganz. Ziel ist ein Erlebnis, das kurz, konkret und erweiterbar ist, damit Feedback präzise wird und du morgen weiter iterieren kannst.

Werkzeuge ohne Stolperdrähte

Wähle das Werkzeug, das du bereits beherrschst, um Reibung zu vermeiden. Wenn PowerPoint schnell ist, nutze es. Wenn Papier am besten fließt, fotografiere und verknüpfe die Bilder. Technik dient der Absicht, nicht umgekehrt. Jede eingesparte Minute fließt direkt in bessere Entscheidungen.

Daten faken, Wahrheit lernen

Nutze Platzhalter, realitätsnahe Texte und gefälschte Daten, damit die Interaktion glaubwürdig wirkt, ohne Backend. Wichtig ist, ob Menschen verstehen, was sie tun können, und ob sie den gewünschten Schritt gehen. Die Illusion dient dem Lernen, nicht der Täuschung, und wird transparent kommuniziert.

Tag 7: Feedback verdauen und Kurs setzen

Der letzte Tag gehört der Auswertung. Wir sortieren Erkenntnisse, verdichten Muster und entscheiden bewusst, was wir stoppen, was wir ändern und was wir vertiefen. Ein kurzes Debrief mit einer außenstehenden Person schärft die Sicht. Teile Ergebnisse öffentlich, lade zum Austausch ein und entscheide, ob eine zweite Woche lohnt. So bleibt der Schwung lebendig und verwandelt sich in nachhaltige Bewegung.
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